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Kaffee & Bier #madeinBremen: 2x hinter die Kulissen geschaut

In Bremen gibt es nicht nur Anhäuser-Busch InBev mit Becks Bier für die ganze Welt oder Mondeléz Deutschland mit Tassimo und Jacobs-Kaffee. Mit der Bremer Brauerei „Freie Union Brauerei“ hat Bremen auch wieder eine kleines Brauhaus und bei der Kaffeerösterei Lloyd Caffee werden Kaffeebohnen noch in kleinen Mengen geröstet. Beide – die Rösterei und die Brauerei – bieten Führungen/Seminare an, die ich besucht habe. Seitdem habe ich ein bißchen Angeberwissen gesammelt, das ich gerne mit euch teilen möchte. Ohne meinen Kaffee morgens komme ich nicht klar und eine Breminale ohne Sommerbierchen am Deich – da würde mir definitiv etwas fehlen. Als kritische Konsumenten bin ich natürlich hyper-sensibilisiert und weiß, dass industrielle Großproduktion auf Schnelligkeit, Effizienz und Masse getrimmt ist. Da hörts dann aber auch schon langsam auf. Gut, dass wir uns in Bremen anschauen können, wie es anders geht.

Hopfensorten der Union Brauerei Bremen
Hopfen und Malz im Glas

Union Brauerei Bremen: hier gebraut mit Hopfen aus Amerika

Wer kennt es nicht? Das gute alte Deutsche Reinheitsgebot, was sämtliche Bierhersteller auf ihre Flaschen drucken dürfen, wenn Sie allein mit diesen drei Zutaten brauen:

  • Hopfen
  • Malz
  • Hefe ….und natürlich Wasser.
    (Craftbier-Hersteller experimentieren häufig noch mit anderen Zutaten und dürfen ihr Bierchen deshalb nicht „Bier“ nennen. Die Union Brauerei Bremen nennt ihre Biere absichtsvoll Craftbiere, um den eigenen Anspruch an individuelle Biere deutlich zu machen –  hält das Reinheitsgebot aber ein.)

Auf einer Führung durch den Brauereikeller hat der Gesellschafter Markus Zeller mir aber schnell  einen Zahn zum „deutschen Reinheitsgebot“ gezogen. Irgendwie hatte ich unterschwellig angenommen, der Hopfen für das Bier im Land würde immer auch hier angebaut werden. Allerdings sind die USA zweitgrößter Hopfenproduzent der Welt. In der Union Brauerei werden für das  für das Pale Ale auch amerikanische Hopfensorten verwendet. Für alle anderen Sorten landet deutscher Hopfen in den Brauanlagen. Das nötige Malz stammt aus Deutschland und Skandinavien. 100% heimisch passt also nicht auf jedes Bier.

Änderungsanmerkung: Während der Führung waren andere Mikrobrauer als Bremen mit unterwegs und haben mit Markus Zeller viel über Aroma-Hopfen-Anbau und Malze disktutiert. Deshalb habe ich ursprünglich angenommen, die USA hätten die Nase beim Hopfenanbau weit vorne. Markus hat mich neulich nett kontaktiert und mir erzählt, wann amerikanischer Hopfen in der Union-Flasche steckt und woher das Malz stammt. – [ geändert am 24.06.2016: Weit gefehlt, hier wird er nur in kleinen Mengen angebaut und ausgerechnet die Amerikaner haben beim Hopfenanbau die Nase ganz weit vorne. Sie haben sich auf unterschiedliche Aromahopfen und Malze spezialisiert, die bei den Eigenkreationen aus Walle eine große Rolle spielen.]

Handwerklich gebraut mit modernster Technik

Ebenfalls überraschend: Im Braukelller der Union Brauerei finden sich keine nostalgischen Kupferkessel mehr. Natürlich war ich kurz enttäuscht. Bei dem wunderschönen alten Gebäude von 1907 hatte ich mir waschechte Nostalgiekulissen erhofft und wo handwerklich gebraut wird, erwarte ich unterschwellig auch schwitzende Menschen, die alles per Hand anrühren – (in diesem Fall den Sud umrühren). Offenbar standen die alten Kupferkessel über 50 Jahre still und laut Zeller setzt Bremens neue Brauerei dann doch lieber auf die allerneuste Technik für die eigenen Braumeister.

Flasche für Flasche mit Logo

Schlussendlich lässt sich auf einer Führung noch lernen, warum es Sinn macht die Bierflaschen brav zurück zu bringen, auch wenn das Mehrwegsystem mit großem „Weg“ gedruckt werden sollte. (Ich bringe meine Pfandfalschen zielsicher immer zum falschen Zeitpunkt zurück). In Walle kannst du dir live anschauen, wie die Flaschen gewachsen, neu etikettiert und befüllt werden. Kleine Anmerkung zum Schluss: Ich bin Pils-Kind und habe nicht alle Sorten probiert, aber das Union Brauerei Bier kann man trinken ;)

 Kaffeeflair im alten Holzhafen bei Llyod Caffee

Röstmeister Christian Ritschel erklärt den Weg der Bohne in die Tüte
Röstmeister Christian Ritschel erklärt den Weg der Bohne in die Tüte

Gemeinsam mit einigen Nordbloggerinnen hat es mich neulich außerdem für die Glucke zum Kaffee-Seminar bei Lloyd in die Überseestadt verschlagen. Der Termin war für mich natürlich auch ein bißchen schmerzhaft. Ich trinke ziemlich viel Kaffee und greife auch manchmal zum 0815-Paket im Supermarkt. Bei Lloyd hat mir der Röstmeister Christian Ritschel drei Gründe genannt, um mir das noch mal genau zu überlegen.

  • Im industriell gerösteten Kaffee stecken jede Menge unreife Bohnen und Bruch.
  • Meist stammt dieser Kaffee aus dem absoluten Billigproduktionsland Vietnam und ist alles andere als Fair oder Direkttrade
  • Kaffee anbauen ist ein mühsames Geschäft: Alleine mit der Erntephase sind die Bauern rund 4 Wochen beschäftigt. Danach müssen die Kaffeekirschen noch bis zu 8 Wochen bearbeitet und getrocknet werden, damit wir am Ende grünen Rohkaffee für das Rösten importieren können.

    20 Minuten in der Röstrommel statt 90 Sekunden Backstraße

Röstmeister Christian Ritschel wirft für Kaffeeseminar-Besucher gerne die Rösttrommel an. Denn auch handwerklich gerösteter Kaffee wird maschinell in der Rösttrommel geröstet und danach auf einem Kühlsieb herunter gekühlt. Damit die Temperatur und das Röstprofil für jede einzelne Bohne stimmt, hat auch Ritschel moderne Displays und kann sich ständig in Punkto Temperatur und Röstverlauf elektronisch versichern. Handwerklich wird es allerdings dann, wenn er Bohnenproben aus der laufenden Rösttrommel nimmt. Mit einer kleinen Schippe prüft er immer wieder, wie weit seine Bohnen denn schon sind. Bei 200 Grad werden die rohen Bohnen langsam und über 20 Minuten geröstet. Wenn der Röstmeister mit der Farbe zufrieden ist, stoppt er den Röstprozess der 200 Grad heißen Bohnen im Kühlsieb. Als Laie ist es natürlich unmöglich an der braunen Farbe der Bohne irgendetwas zu erkennen. Allerdings knacken die Bohnen, wenn sie 200 Grad erreicht haben und quasi „durchgeglüht“ sind.

Bremer Kaffeetradition und Kaffeehausflair

Kaffeeseminarbesucher bekommen von Ritschel nicht nur technische Vorführungen und mahnende Worte zum Kaffeeanbau an die Hand. Es darf auch gelacht werden. Mit besonders viel Elan und Freunde erzählt Ritschel gerne über das damalige Kaffeetrink-Verhalten der Deutschen und Franzosen und wie der Kaffeebaron Bremens Ludwig Roselius damals mit Benzol das Entkoffinieren erfand.
Abgesehen von großartigen Schoko-Brownies für einen Sonntagnachtmittag ist ein Abstecher zu Lloyd auch sonst empfehlenswert. Hier weht mehr Kaffeeflair durch die Gemäuer als in der guten alten Dalmeyer-Prodomo-Werbung, die implizit glauben ließ, Kaffee werde Schippe für Schippe geröstet…

Noch mehr kleine Brauerein und Kaffeeröstereien gibt es übrigens im Bremer Umland (Utamsi und deKoffieman) sowie in Oldenburg (OLs Brauhaus Oldenburg) und Wildeshausen (Banners Bier).

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