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Schaut hin! – Die Schande am Strand von Bodrum

Schaut hin! Fotos beweisen das Ertrinken im Mittelmeer hört nicht auf
Schaut hin! Fotos beweisen: Das Ertrinken im Mittelmeer hört nicht auf

Warum ein dreijähriger toter Junge gezeigt werden musste

Ein kleiner toter Junge am Strand von Bodrum ist das wohl traurigste und meist diskutierte Bild dieser Woche: Dürfen Medien so etwas zeigen, oder dürfen sie es nicht? Ich glaube, es war richtig einen dreijährigen kleinen Jungen im roten T-Shirt, tot am Strand von Bodrum angespült zu drucken!– Warum Bilder mehr können als Worte…

Die EU tötet Menschen mit immer höheren Zäunen. Sie riegelt die vermeintlich sichereren Fluchtrouten über Land ab. Dieses Europa streitet seit Wochen um eine „faire Verteilung“ dieser Menschen. Sie streitet und es bleibt bei Appellen und diplomatischem Gezerre, während Flüchtlinge ertrinken. Auch Deutschland war gegen die italienische Marine Rettungsmission „Mare Nostrum“ (kostete 9 Millionen Euro im Jahr). Seitdem gibt es „Triton“ und tausende Tote. Die Zahlenspiele, die Appelle und die kontinuierliche Berichterstattung über den Horror im Mittelmeer haben  das Ertrinken nicht gestoppt. Dieses Bild ist nur ein besonders hässlicher Beweis und hält der EU den Spiegel vor.

Müssen wir so etwas sehen?

Ausgerechnet der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, Stefan Plöchinger, hat in einem bewegenden Kommentar heute, um 8:37 Uhr, noch erklärt, warum die SZ darauf verzichtete das Bild zu zeigen. Es ging um den Schutz der Leser und eine Abwägung moralischer Natur…

„Das vielleicht Dramatischste an solchen Bildern ist, dass es sie seit Langem gibt, dass sie immer wieder publiziert werden – aber immer wieder gerne verdrängt werden(…)“

..und die Hoffnung der Redaktion, dass das Drama vor unseren Küsten auch in Worten verständlich wird. Heribert Prantl, ebenfalls SZ arbeitet mit unermüdlich mit eben diesen Worten gegen das Ertrinken. Er ist in Talkshows aus meiner Sicht der derzeit einzige Gast mit einer reflektierten Meinung zum Thema ist. Seine Worte:

„Europa schützt sich vor Flüchtlingen mit toten Flüchtlingen.“

– haben nicht gewirkt.

Vielleicht tut es jetzt dieses Foto. So jedenfalls wünscht es sich die Fotografin bei Tagesschau.de im Interview. Zwar hat Udo Stiehl recht, wenn er an die journalistischen Grundsätze erinnert, die das Zeigen von Kinder und sterbende und leidende Menschen als unangemessen sensationell geißelt. Es darf nicht jedes Mittel Recht sein um Clicks und Auflage zu machen.
Derzeit ist der Umgang mit Leichen im Mittelmeer aber keine Frage der professionellen Distanz mehr.

 Bilder können mehr als Worte

Allen denjenigen, die sich beim Presserat beschwert haben über diesen „schrecklichen Anblick am Frühstücktisch“ möchte ich sagen: Die Realität sieht so hässlich aus!
Nicht umsonst ist das Bild des „Napalm Mädchens“ in die Geschichte eingegangen. Bilder bewirken manchmal mehr als Worte. Von ihrer Wirkung können sich Zweifler beim World Press Photo-Award überzeugen. Die alljährliche Ausstellung verlässt niemand ohne Gänsehaut und ein leichtes Trauma: Mögen sie wirken!

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