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Wie wir uns besser Entscheiden

Eine Recherche in der Universum-Sonderausstellung Ausstellung „Entscheiden“

Kaffee oder Tee, Marmelade oder Käse aufs Brot? Jeden Morgen treffen wir im Auto-Modus viele dutzend kleine Entscheidungen und denken nicht eine Sekunde darüber nach. Schwieriger wird es dann schnell, wenn es um Jobs, die Liebe oder Kaufentscheidungen (ab ein paar Euros mehr) geht. Keine Entscheidung ist bekanntlich auch eine. Weil es mich neugierig macht, warum wir uns mit dem Entscheiden teilweise schwer tun, bin ich vor die Haustür und in die aktuelle Sonderausstellung im Universum Bremen gegangen. Erkenntnisse und wie der Besuch war, gibt es hier

Wie es sich für ein Mitmach-Museum gehört, langweilt uns auch die Sonderausstellung „Entscheiden – Eine Ausstellung über das Leben im Supermarkt der Möglichkeiten“ nicht mit schnöden Infos hinter Glas. Nein, es geht nach einem dramatischen Teaser über die Entwicklung der Menschheit bis zu unserem heutigen Leben in der Multi-Optionsgesellschaft in einen Ausstellungsraum, der dich ständig nach Entscheidungen fragt! Stress lass nach …

Die Wissenschaft der liebe

Die Aussteller haben alle Exponate in bestimmte Bereiche des Lebens geteilt. Zum Beispiel die Liebe: Hier bekommen Besucher in hübschen Infografiken das deutsche Liebesleben präsentiert, können sich anhören wie moderne Paare ticken, sich an Stationen mit beliebten Quizfragen selbst testen und die Ergebnisse ausdrucken.

Bis wohin dürfen wir gehen?

In Stapelboxen warten dann OP-Instrumente, Implantate oder Pillen und drängende Fragen der moderne Medizin – „Wie weit würdest du gehen, beim Thema Beauty-OPs? Was für Selbstoptimierungs-Pillen würdest du schlucken? Wie wollen wir sterben? Daneben werden aber auch Experimente präsentiert und renommierte Wissenschaftler erklären den Stand der Forschung und geben Denkanstöße.

Kopf oder Bauch? Wer hat hier eigentlich das sagen?

Sagen wir es mal so: Die Wissenschaft ist sich uneins.  Da wären zum Beispiel unsere Hormone, die uns mit reinpfuschen. Das Stresshormon Coritsol ist übrigens ein ganz schlechter Ratgeber. Es sorgt für gewisse Schnellautobahnen im Kopf. An rationale Argumente kommen wir dann nicht mehr ran. Was es neben Hormonen im Reagenzglas noch so alles gibt? Ein Grusel-Modell:

„Erfolge sind das Resultat von richtigen Entscheidungen. Richtige Entscheide fällt man durch Erfahrung. Erfahrung basiert unter anderem auf falschen Entscheidungen.“ – Steve Jobs

Ach Steve! Du hast wohl zu viel Bücher vom Hirnforscher Gerhard Roth gelesen. Ein gruseliges Modell (ein halb aufgeklappter menschlicher Körper mit Kopf und vielen Drahtseilen) zeigt uns, was die Hirnforschung zum Thema Entscheiden sagt. Nur so viel: Leider redet nicht nur unser Verstand mit. Auch nicht alleine unsere Gene. Noch mitreden dürfen unsere erlernten Automatismen und unsere bewussten Erfahrungen. Wir merken nur meist nicht, wer noch alles mitredet.

Good bye, Google?

Persönlich zum Nachdenken hat mich der Psychologe und Risikoforscher Gerd Gigerenzer gebracht.  Er rät uns, in einer komplexen Welt wieder mehr auf unsere Intuition zu hören, statt nach immer mehr Informationen zu suchen. Seine Philosophie: Umso mehr wir nach rationalen Entscheidungsgrundlagen suchen, desto mehr geben wir unsere Verantwortung als Mensch ab, das RICHTIGE zu tun. Bevor wir uns jetzt entspannt zurücklehnen und nichts mehr wissen wollen: Er meint Politiker, Manager, wichtige Entscheidungsträger. Aber seinen Denkanstoß mal nicht bei jeder Entscheidung nach mehr Informationen zu buddeln, sondern sich auf seine eigene Erfahrung und den Bauch zu verlassen, find ich gut! Hier erklärt der Mann im Video selbst, warum Intuition eine gute Idee ist.

Mein Fazit: Die Ausstellung macht Spaß. Besonders eine  „Schubladen-Bibliothek“ mit Entscheidungstipps – von der Volksweisheit bis zur Wissenschaft. Vermisst habe ich weitergehende Antworten. Antworten auf die Frage, warum wir uns zum Beispiel inkonsequent Entscheiden, obwohl wir es besser wissen. Oder, wie ich denn nun Hirn und Bauch trainieren kann. Für alle, die die Ausstellung auch sehen wollen: Ich würde so ca. 2,5 Stunden einplanen. Die 2,5 Stunden sparen dir leider noch nicht die Zeit ein paar Wälzer zu lesen ;)  Woody behält sowie so recht:

Du kannst nicht zwei Pferde mit einem Hintern reiten! – Woody Allan

Tipps anyone? Wie viel Anleitungen im Netz habt ihr schon durchstöbert?

 

 

 

3 Comments

  1. Iris Iris

    Schöner Beitrag, locker, amüsant, fundiert , macht Spaß

    • Wie schön! Du liest mich, Iris =) Das Video von dem Gigenzer musst du übrigens wirklich mal anschauen.

  2. Iris Iris

    hab Gigerenzer gehört und mich bestätigt gefühlt (in Kurzform u.a.) : je mehr Erfahrung , je besser die Intuition. Kann nur ich bestätigen :) freu mich auf neue nebenstories !

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