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Hashtag-Zoff um Gleichberechtigung und Sexismus

Warum die #Hollaback-Kampagne ein Erfolg war, die -Kampagne ein Flop

Wenn Redakteuren am Freitag in der Konferenz nichts für die Social Media-Kanäle einfällt, wird dann gerne mal „Was macht ihr denn so am Wochenende?“ gepostet. Dabei kommen natürlich nur völlig lapidare Antworten heraus (z.B. „Muss leider arbeiten“). Ganz anders endet das bei Kampagnen wie #hollaback oder dem Versuch die lieben Leserinnen als Push-Kanal für die eigenen Zwecke einzuspannen. Warum bewusste Provokationen funktionieren und (Werbe-)Mitmach-Aktionen  eher nach hinten losgehen können

Im Fall der Emma-Aufruf #Emmaistfürmich hat die Zeitschrift sich  gedacht: Wir nehmen unsere Leserinnen (nicht so sehr) ernst und sammeln Feedback. Stichwort: „Leserinnen-Mitmach-Aktion“. Das könnten wir ja dann mit Storify hübsch auf unsere Webseite packen. (Beispiel gefällig? Hier gibt’s eine Tweet-Storify-Geschichte). Vor der Aktion hat sich vermutlich niemand in der Emma-Redaktion den Kopf über die Zielgruppe zerbrochen oder die möglichen Reaktionen auf einen Lob-Aufruf. In den Mediadaten schreibt die Emma ihre Durchschnittsleserin sei 42 Jahre alt. Die Twitter-Userinnen waren vermutlich oftmals jünger. Die netzaffinen Mädels waren jedenfalls nicht bereit der Emma Applaus zu klatschen. Stattdessen sorgte der Ariktel „Debatte: Emanzen oder Schlampen?“ (darüber ob Popstars wie Beyoncé Feministinnen sein können, wenn sie sich für Plattenverkäufe ausziehen) für ziemlichen Ärger.  Die modernen Mädchen von heute waren der Meinung, dass auch ein feministisches Frauenblatt Frauen nicht vorschreiben sollte, was sie anziehen dürfen und wann sie sich feministisch schimpfen dürfen.  Die Emma selbst gibt sich beleidigt und meckert über die „Jungfeministinnen“. Dumm bloß, dass der Redaktion spätestens seit der #Aufschrei-Aktion hätte wissen können, welche Zielgruppe sie bei Twitter fragt. Viele feministische Twitter-Nutzerinnen sind jung und meinungsstark, wenn  es denn tatsächlich um ihre Meinung geht..

Darf eine Frauenzeitschrift für Feminismus eigentlich das Wort Schlampe verwenden, obwohl Frauen unter anderem auch für sexuelle Freiheiten gekämpft haben, die die Emma sonst hochhält? Aber das ist eine andere Frage…

Die Aufreger rund um die #Hollaback-Kampagne der NGO ihollaback.org gegen sexuelle (verbale) Belästigung von Frauen im öffentlichen Raum dürften dagegen kalkuliert gewesen sein. Die NGO hat durch eine Video-Agentur, die auf realen Content spezialisiert sein dürfte bei Youtube den Clip „10 hours of walking in NYC as a Woman“ hochgeladen. Der Clip wurde knapp 35 Millionen mal angeschaut und es kursieren etliche veralbernde Varianten im Netz. Die kalkulierte Provokation hat dem Thema verbale Belästigung/sexuelle Belästigung eine riesige Aufmerksamkeit eingebracht, weil etliche Medien darüber berichteten. Auch zahlreiche Blogger haben den Clip verbreitet, um ihn zu kritisieren. Zum Beispiel wird der Clip als völlig unausgewogen kritisiert, weil keine weißen Männer im Zusammenschnitt vorkommen.
Natürlich sind so falsche Schlüsse und falsche Implikationen, Schwarze und Latinos wären machoesker möglich. Diesen Effekt haben die Macher aber vermutlich einkalkuliert um die Reichweite deutlich zu erhöhen. Trauriger Weise hat ein neuseeländisches Model über das gestellte Video gesagt, sie habe auf New Yorks Straßen wirklich sehr unangenehme -Erfahrungen gesammelt.

New York men would just yell at her, or put their arm around her.“It was extreme [in New York]. I hate it; I don’t want, or like the attention at all. It’s not a compliment,“ she said.

Beim Ziel Aufmerksamkeit und Reichweite generieren helfen auch negativ Kommentare und Parodien. Ein Schwarzer der mit dem „rassistischen Zusammenschnitt“ kein Problem hat ist Elon James White. Der Komedian findet, wenn es wirklich nur um „Ich wollte doch nur mal Hallo sagen“ geht, sollten Männer sich auch mal „Hallo sagen“. Ein schöner satirischer Wink mit dem Zaunpfahl unter #dudesgreetingdudes.

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