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Die ersten #Grundeinkommen starten

..astreine PR-kampagne oder schnöde Verlosung?

Michael Bohmeyer, ein 29-Jähriger Berliner, hatte eine Idee. Er sammelte per Crowdfunding im Netz auf mein-grundeinkommen.de Geld für ein Grundeinkommen. Die Verlosung ist durch – und sofort geht die Kritik an dem Projekt los. Zu Unrecht, wenn man genauer hinsieht. 

Bohmeyer wollte eigentlich einmal 12.000 Euro zusammen kriegen. Für ein Grundeinkommen von 1.000 Euro für ein Jahr. Seine Crowd-Unterstützer fanden die Idee aber so sexy, dass es gleich in der ersten Verlosung für 4 Grundeinkommen gereicht hat.  Über 20.000 Menschen hatten sich für die Verlosung registriert. Die meisten hatten Pech.

Ganz normale Gewinner ohne extravagante Ideen
Die Gewinner stehen fest und hatten sich mit ganz normalen Ideen wie „Mit  Grundeinkommen….würde ich bewußter weiterleben“ (Stephantour) und ähnlich schnell formulierten Aussagen beworben. Kritiker können jetzt natürlich sagen! „Ha! Der Beweis. Grundeinkommen = fauler Müßiggang“.  Diese Kritik führt aber zu kurz, weil sich erst in Zukunft herausstellen wird, was Menschen wie „Stephantour“ mit einem Grundstock von 1.000 Euro im Monat anstellen oder nicht.

Kritik an schnöder Verlosung statt der BESTEN Idee
Verena Mayer beschreibt die Verlosung auf sueddeutsche.de unter der provokanten Überschrift „Lotterie für das Kreativprekariat“ gar als ein bloßes Pyramidenspiel  –  also für einige wenige Gewinner geldwert, für alle Anderen als Verlierer (und Crowdfunder) nicht. Der Text endet dann mit Verweisen auf die vermeintlich mauen Pläne der vier (unter bürgerlichem Namen unbekannte) Gewinner.  Ja, hier wird für die Idee  lediglich Geld umverteilt. Und zwar willkürlich per Verlosungsmodus. Dennoch ist die Kritik an der Verlosung falsch. Weil es sonst einer unabhängigen Jury mit formal festgelegten Kriterien bedurft hätte, um eine motivierte Auswahl zu treffen. Weil so eine Auswahl gegen die Grundidee von Lohymeyer läuft ein „Experiment“ zu starten und Grundeinkommen ohne institutionalisierte Abstimmungsprozesse auf den Weg zu bringen. Und weil die Logik „möge die beste Idee gewinnen„, der Idee des Grundeinkommens als Grundstock für Produktivität ohne Verwertungslogik zuwiderläuft. Und schlussendlich, weil die Crowdfunder für das Experiment, nicht die konkreten Bewerber Geld gespendet haben.

Was „mein Grundeinkommen“ schon jetzt bewirkt hat
Die Befürworter und Gegner des Grundeinkommens mögen sich noch weiter die Köpfe heiß diskutieren. Derweil hat Michael Bohfinger, ein 29-Jahre alter Familienpapa mit Crowdfunding  und einer Idee vor allem eins geschafft: Viel Aufmerksamkeit, Presse und vielleicht eine neue Basis für zukünftige Auseinandersetzungen zum Thema „Wie wollen wir arbeiten leben? Damit hat er eventuell mehr erreicht als der Fernsehphilosoph Richard David Precht oder DM-Gründer Götz Werner. In Sachen Medienaufmerksamkeit schlägt „Nähe“ manchmal doch den „Promi“. Bisher gab es nur Tests in Namibia   – und das ist bekanntlich weit weg.

 

 

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