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Generation Y und der große Spaß

Spätestens seit 2012 ist der Begriff Generation Y und damit die Kritik an den vermeintlich hohen Ansprüchen ihrer Vertreter in aller Munde. In allerlei Medien wird die Generation WHY? immer wieder aufs neue charakterisiert. Selten fällt die Diagnose charmant aus.

Selbstgefällig, fordernd, auf der Suche nach Spaß und Selbstverwirklichung

So in etwa lautet das Lamento über die eigentlich dringend gesuchten Fach- und Führungskräfte von morgen.  Personaler fodern, dass sich die Jungen bitte nicht so anstellen sollen, weniger Ansprüche stellen und realisieren, dass die Arbeitswelt kein Spielplatz ist. Ich für meinen Teil habe ähnlich wie Punktefrau (Christine Dingler) all die Befürchtungen der Arbeitgeber nachzuvollziehen. Und es fällt mir einiger maßen schwer mich in der Generation Y – Definition überhaupt wiederzufinden. Gut, ich gehöre wohl qua Definition über meinen Jahrgang noch dazu. Und ja, ich wünsche mir einen Job, den ich gerne mache, der mich fordert und ein paar Freiräume jenseits von Hierarchien. Die eigentlich Frage sollte lauten: Was ist daran falsch?

Alter Wein in neuen Schläuchen: Ansprüche an den Arbeitsplatz

Was die Generation sich wünscht, fordern seit Jahren auch Politiker mantraartig. Allerdings wird diese Diskussion unter dem Schlagwort „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ geführt. Schon 2006 empfahl die Kommission der Europäischen Gemeinschaften den europäischen Ländern flexiblere Arbeitsregelungen. Unter anderem für mehr Produktivität und Zufriedenheit. Die Erwartungen der Generation Y an Arbeitgeber sind also mindestens 10 Jahre alt und werden von der Generation X ebenso eingefordert. So gesehen wäre überspitzt gesagt sogar schon die schwarz-gelbe Koalition im Club der hedonistischen Anhänger neuer Arbeitsstrukturen gewesen.

Das Missverständis um das Wörtchen „Spaß“

Wenn wieder einmal eine Umfrage zum Thema was junge Leute wollen erscheint und der Wunsch nach Spaß und Erfüllung im Job auftaucht, wird Spaß offenbar gleichgesetzt mit einer „Null-Bock“ – Einstellung. In Bezug auf den Ehrgeiz der 20 bis 30-Jährigen kann das nur eine Fehldiagnose sein. Dabei lässt sich Spaß auch mit Freunde und Erfüllung übersetzen. Und Freunde an der Arbeit dürfte erstens: nicht gerade neu oder ungewöhnlich sein – zweitens: sind Freunde und Erfüllung das Gegenteil von Langeweile und Unterforderung. Seine Fähigkeiten kreativ einzubringen und unter Beweis zustellen gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. So steht es in klassischen Motivationstheorien und in Büchern über das „Bore-Out-Phänomen„. Unterforderte, Überforderte und viele Menschen in der Reha. Vielleicht ist es ja gar nicht so vermessen, wenn junge Arbeitnehmer Spaß haben wollen statt innerlich zu kündigen. Wenn jeder sechste Deutsche schon innerlich gekündigt hat, kann der viel zitierte Spaß an der Arbeit gar kein so selten frecher Anspruch.

 

 

 

 

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