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#wattwollense – Gedanken über authentische Interviews

Selbst 5 Tage nach dem WM-Achtelfinale gegen Algerien reißt die Aufregung um Per Mertesackers Wutausbruch direkt nach dem Spiel im ZDF-Interview nicht ab. Heute vor dem Viertelfinale antwortet Stefan Kuzmany im Spiegel mit einem Augenzwinkern auf Mertes wutentbranntes “Watt wollen sie”. Im Tagesspiegel und in der Zeit kommt Thomas Müller rund um den Medienhype und die Ansprüche an die deutsche Elf  zu Wort. Ja, die Erwartungen an die Spieler sind hoch und da stehen auch nur Menschen auf dem Platz. Aber müssen sich die Nationalspieler wirklich gegen die Berichterstattung wehren?

Mertesacker fühlt sich im Recht.

Kurz vor dem Viertelfinale gegen Frankreich auf dem Platz hat Per Mertesacker sich noch mal in der Mittelbayrischen Zeitung  zu seinem Wutausbruch geäußert. Was er da sagt hat seine Berechtigung.

Genauso, wie der Interviewer fragen kann, was er will, kann ich antworten, was ich möchte.

Von den Medien und den Fans kam viel Verständnis für die Wut, die in Merte aufkochte. Schließlich hatte besagter ZDF-Reporter nicht gerade neutral formulierte Fragen (wie in einem Interview zur Sache üblich) in Richtung Abwehrchef geschossen. Büchler:  “Dass man sich noch steigern muss, dürfte auch Ihnen klar sein.”
Verständlich also der Wutanfall – aber war der wirklich gut so?

Vom immer gleichen Fischen nach O-Tönen

Ob sich nun ein Thomas Müller im Interview über die hohen Ansprüche  an seine Mannschaft beschwert und sympathisch anmerkt: “Wir spielen nicht für die Reporter” oder ein Per Mertesacker weiter sagen möchte was er will.
Beide haben zwar Recht, denn der Medienzirkus um “König Fußball” und das “Fußballmärchen” ist wirklich gewaltig.
Auf der anderen Seite sind beide nun mal Fußballprofis, die nicht für lau heute Abend auf dem Rasen stehen und versuchen Deutschland ins Halbfinale zu kicken.
Und zu der rituellen Fußballberichterstattung und den Interviews nach dem Spiel in der Mixed Zone gibt es nun mal klare Regeln. Der Reporter macht nur seinen Job und fragt vermeintlich kritisch und stellvertretend für die Fans nach. Der Profispieler sollte routiniert in seiner Rolle bleiben und das bisweilen langweilige Spielchen mitspielen. Auf gut Deutsch: völlig unauthentisch die üblichen Phrasen zum Spiel absondern. Jede andere Reaktion auf dieses routinierte Frage-Antwort-Spielchen ist vielleicht authentisch, aber nicht professionell und in Bezug auf den Reporter keine angemessene Reaktion.

Der Eistonnen-Wutausbruch als schönes Beispiel für langweilige Interviews

Bemerkenswert ist also nicht die Empathie für Mertesackers Interview und sein Wunsch einfach sagen zu dürfen was er will. Vielmehr illustriert dieses Beispielinterview ganz schön, warum Interviews häufig so langweilig sind und warum die üblichen O-Töne und Reaktionen zum Spiel oder was auch immer vielleicht doch nicht immer so dringend vom Leser, Hörer und Zuschauer gewollt und gewünscht sind, wie die Medien gemeinhin annehmen. Emotionale Antworten sind eben rar, wenn immer nur die gleichen Fragen gestellt werden.

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